Den von ihm ersonnenen „Cladi-Zyklus“ hat der litauische Komponist Vykintas Baltakas soeben für das Münchner Ensemble der/gelbe/klang mit dem letzten Teil „Cladi V“ fertiggestellt. Beim Konzert im schwere reiter am 3. Oktober wurde er erstmals vollständig gespielt. Der finnische Akkordeonist Janne Valkeajoki und das Ensemble bewiesen dabei eine Menge Feinsinn für eine Musik zwischen Sphärenklängen und temperamentvollem Zusammenspiel sowie einen souveränen Umgang mit markanten Gegensätzen.
Text: Christina M. Bauer; Fotos: Stefan Hämmerle
In den ganz hohen Tonlagen des Akkordeons, hell, flirrend, manchmal fast gläsern setzt das erste Stück des Konzertabends des Ensembles der/gelbe/klang am 3. Oktober im schwere reiter in München an. „Cladi I“ von Vykintas Baltakas entstand 2020 für Akkordeon Solo. Interpret Janne Valkeajoki hat damit zunächst das Rampenlicht für sich, lotet die sphärischen hohen Passagen aus, die mal leise gezeichnet sind, anderswo klirrend im Raum stehen, zwischen belebteren und ruhigeren Parts pendeln oder zwischen unregelmäßigen Pausen quasi suchend vorandriften. Eine Menge Konzentration auf Valkeajoki also, der das Werk zum ersten Mal spielt und die Möglichkeiten souverän ausschöpft. Vykintas Baltakas hat in den vergangenen Jahren bereits öfter für Akkordeon in verschiedenen Besetzungen komponiert. Vorgetragen werden beim Konzert alle fünf Teile seines Cladi Zyklus, von dem er den fünften und letzten „Cladi V“ eben erst am Tag des Konzertes fertiggestellt hat. Drei Tage hat er mit dem Ensemble verbracht, um das Werk und insbesondere den fünften Teil einzustudieren. Akkordeonist Janne Valkeajoki ist Absolvent der Sibelius-Akademie in Helsinki und der Hochschule für Musik Würzburg. Er spielt Bearbeitungen klassischer Werke sowie zeitgenössische Musik und hat bereits zahlreiche Werke uraufgeführt. Zunächst begibt er sich bei der Interpretation von „Cladi I“ noch in etwas mittigere Oktaven, findet hier ins Melodische, anderswo ins Aufbrausende, bevor das Stück unmittelbar in das daran anknüpfende „Cladi II“ übergeht. In den fünf Stücken des Zyklus knüpfen Motive an die vorherigen an, leiten sich daraus ab, erweitern und ergänzen sich. Die Idee ist ein musikalischer Stammbaum, der sich in alle Richtungen künstlerisch verzweigt.
Bei „Cladi II“ hat das Akkordeon Pause, dieses Stück stellt das Ensemble mit Dirigent Armando Merino in den Mittelpunkt. Zunächst begeben sich vor allem Streicher und Holzbläser in ein angeregtes Wechselspiel, werden teilweise ergänzt um Klavier, Vibrafon und Percussion. „Mikrodialoge“ zwischen Klarinette und Klavier und Passagen, die wechselnde Teile des Ensembles in den Mittelpunkt stellen, kontrastieren mit markant verdichteten Passagen, in denen alle Musiker eingesetzt werden. Bei „Cladi III“, welches das Ensemble ohne Dirigat vorträgt, sind erneut das Akkordeon und nun auch erstmals Elektronik mit von der Partie. Die Musiker spielen kleine Motive hin und her, das Akkordeon agiert abwechselnd als hervorgehobenes Ensembleinstrument oder dezente Klangfläche. Die Musik pendelt zwischen atmosphärischer Soundmalerei und dicht ineinandergreifendem, lebhaftem Spiel des Ensembles, elektronische Soundscapes und Effekte begeben sich in einen intensiven Austausch mit dem akustisch Gespielten. „Cladi IV“ interpretiert Valkeajoki erneut solistisch. Anders als beim ersten Soloteil begibt er sich sofort in die mittleren Oktaven und dort in ein dichtes Spiel mit breit aufgefächerten Harmonien. Das Stück verknüpft markante, wirbelnde Passagen mit dem Ausloten dräuender Bassbereiche, fragiler Höhen und manchmal dem bloßen Klappern der ohne Ton gedrückten Akkordeonknöpfe.
Für die Uraufführung von „Cladi V“ dirigiert erneut Merino das Ensemble. Das Akkordeon wandelt sich aus seinem Solopart heraus zunächst zur bloßen Klangfläche, während Streicher und Holzbläser eine langgezogene absinkende Melodielinie spielen. Teils sehr intensive, teils dezentere Sphärenklänge der Holzbläser kontrastieren mit sehr basslastigen, düsteren Passagen von Klavier, Trommeln und Bassklarinette. Das Akkordeon geht in eine angeregte Interaktion mit den wechselnden Teilensembles. Das gesamte Ensemble kontrastiert harmonische Passagen mit lebhaftem, markanten Wechselspiel aller Musikerinnen und Musiker und dem Ausloten tiefer Bassbereiche. Das vielseitig eingesetzte Akkordeon wechselt zwischen Hervorhebung als Einzel-und Ensemblestimme sowie dem Agieren als Klangfläche. Die elektronischen Soundscapes und Effekte erweitern das musikalische Geschehen, erscheinen teils als Reflexion des akustisch Gespielten, teils als Antwort darauf. Komponist Vykintas Baltakas zeigt sich am Ende des Konzerts sichtlich erfreut über die erste vollständige Interpretation des Cladi-Zyklus. Den nun vollständigen Zyklus spielt der/gelbe/klang mit Janne Valkeajoki bereits am 10. Oktober erneut, beim Festival Muzikos Ruduo in Vilnius.

Christina M. Bauer | Redaktionsleiterin
Ich bin Redaktionsleiterin für die Jahresausgabe akkordeon magazin 2026 und akkordeon.online Als freiberufliche Musikjournalistin arbeite ich mit Verlagen, Zeitschriften, Zeitungen und Onlinemedien. (Foto: Fotostudio Belichtungswert)







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